Die Haltung zählt- das Herzstück der GFK

Die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg ist vielen als eine Methode mit vier Schritten bekannt: Beobachtung, Gefühl, Bedürfnis und Bitte. Doch Rosenberg wollte weit mehr als eine Technik zur besseren Verständigung entwickeln – sein Ziel war eine "Sprache des Lebens", die auf Frieden, Verständnis und gegenseitigem Respekt basiert. Diese Haltung ist das eigentliche Fundament der GFK und entscheidet darüber, ob die Methode sich lebendig anfühlt oder ob du wie ein GFK-Roboter durch die Welt läufst.

Erschienen am 19. Februar 2025 – Lesezeit: ca. 4 Minuten


Falls dir die vier Schritte ungewohnt vorkommen oder du dich beim Anwenden wie ein Roboter fühlst, liegt das möglicherweise daran, dass die innere Haltung noch nicht verinnerlicht ist. In diesem Artikel möchte ich dir die grundlegenden Annahmen vorstellen, die die Haltung der GFK prägen und deine Kommunikation nachhaltig verändern können.

1. Wir alle haben die gleichen Bedürfnisse

Unabhängig von Alter, Geschlecht, Kultur oder Herkunft teilen wir als Menschen die gleichen grundlegenden Bedürfnisse: Sicherheit, Verbundenheit, Anerkennung, Autonomie, Leichtigkeit und viele mehr. Was uns unterscheidet, sind die Strategien, mit denen wir versuchen, diese Bedürfnisse zu erfüllen.

Alltagsbeispiel: Stell dir vor, du möchtest dich nach einem langen Tag entspannen, doch dein Kind ist laut und will spielen. Während du Ruhe suchst, braucht dein Kind vielleicht Nähe oder Bewegung. Statt die Bedürfnisse als gegensätzlich zu sehen, kannst du überlegen, wie sich beide Bedürfnisse berücksichtigen lassen – zum Beispiel durch gemeinsames Kuscheln oder eine ruhige Spielaktivität.

2. Jede Handlung ist der Versuch, ein Bedürfnis zu erfüllen

Kinder tun nichts aus reiner Absicht, um uns zu ärgern. Jede Handlung ist der beste Weg, den sie in dem Moment kennen, um sich um ihre eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Wenn wir das verstehen, können wir ihr Verhalten anders betrachten.

Alltagsbeispiel: Wenn dein Kind Spielsachen durch das Zimmer wirft, könnte es frustriert sein, weil es nicht so spielen kann, wie es möchte. Oder es sucht deine Nähe. Statt das Verhalten als „Ungehorsam“ zu bewerten, kannst du versuchen, das dahinterliegende Bedürfnis zu erkennen und darauf einzugehen.

3. Das Verhalten deines Kindes ist ein Auslöser, aber nicht die Ursache deiner Gefühle

Oft denken wir, dass das Verhalten unserer Kinder unsere Gefühle verursacht. Doch in Wahrheit sind unsere Emotionen ein Hinweis auf erfüllte oder unerfüllte eigene Bedürfnisse.

Alltagsbeispiel: Wenn du dich gestresst fühlst, weil dein Kind nicht sofort aufräumt, könnte das daran liegen, dass du gerade ein starkes Bedürfnis nach Ordnung hast. Statt deinem Kind die Schuld für deinen Ärger zu geben, kannst du überlegen, wie du dein Bedürfnis klar und empathisch kommunizieren kannst oder dir selbst erfüllen kannst.

4. Kinder haben von Natur aus Freude zum Wohle der Familie, beizutragen

Kinder möchten Teil der Gemeinschaft sein und mithelfen – solange ihre eigenen Bedürfnisse nicht übergangen werden. Wenn sie sich weigern, zu kooperieren, liegt es oft daran, dass vorher ein anderes Bedürfnis erfüllt werden muss.

Alltagsbeispiel: Wenn dein Kind nicht den Tisch decken möchte, kann das daran liegen, dass es sich gerade nach Spiel oder Autonomie sehnt. Wenn du das erkennst und wertschätzt, ist es viel wahrscheinlicher, dass es sich später freiwillig einbringt.

5. Es gibt kein „richtig“ oder „falsch“ – wir können unsere Meinung jederzeit ändern

Sowohl du als auch dein Kind dürft eure Meinung ändern. In der GFK gibt es keine starren Regeln oder absoluten Wahrheiten. Stattdessen geht es darum, flexibel auf wechselnde Bedürfnisse einzugehen.

Alltagsbeispiel: Vielleicht wollte dein Kind gestern noch unbedingt auf einen Ausflug, doch heute möchte es lieber zu Hause bleiben. Statt darauf zu bestehen, kannst du überlegen, was hinter der veränderten Haltung steckt. Vielleicht braucht dein Kind gerade Ruhe, und es ist in Ordnung, Pläne entsprechend anzupassen.

Fazit: Die Haltung zählt

Die Gewaltfreie Kommunikation ist weit mehr als eine Technik – sie ist eine innere Haltung der Liebe, des Verständnisses und der Verbundenheit. Sie beginnt, bevor wir sprechen, und prägt unsere gesamte Art des Miteinanders.

Mir hat es geholfen, die Grundannahmen der GFK sichtbar in meiner Wohnung zu platzieren – an der Glastür oder am Spiegel. So erinnere ich mich täglich daran, diese Haltung zu leben.

Ich hoffe, dieser Artikel gibt dir wertvolle Impulse für deinen Alltag. Wenn du Fragen hast oder deine Erfahrungen teilen möchtest, freue ich mich über dein Feedback. Mögest du viele wertvolle und verbindende Momente mit deinem Kind erleben!

Hallo! Ich binJessica Kioschis

Ich zeige Müttern den Weg zu einer vertrauensvollen und bedingungslosen Beziehung mit ihrem Kind. Mit meiner Hilfe findet ihr gemeinsame Lösungen für eure Konflikte, ohne ständiges Streiten.

Ich bin ausgebildete Trainerin der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, zertifizierte Mediatorin und Coach.

Als ich mit meinen zwei Mädchen alleinerziehend war, überlastet und Familie sich nur noch schwer anfühlte, traf ich eine Entscheidung. Weg von Verurteilung, ständigen Streitigkeiten und Machtkämpfen hin zu einer vertrauensvollen und bedingungslosen Beziehung zu meinen Kindern, in der sie sich sicher und mit ihren Bedürfnissen gesehen fühlen dürfen.

Mit meinem Fachwissen und meinen eigenen Erfahrungen habe ich schon viele Mütter auf ihrem Weg zu einer harmonischen Beziehung mit ihren Kindern begleiten dürfen.

Ich habe ihnen gezeigt, wie sie mit Empathie und Liebe endlich eine bedingungslose Elternschaft leben können.

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